
Was passiert im Ohr beim Fliegen?
Zwischen Nasenrachen und Mittelohr verläuft die sogenannte Ohrtrompete (Eustachische Röhre). Sie ist die einzige Verbindung, über die das Mittelohr seinen Druck an den Außendruck anpassen kann. Beim Start sinkt der Kabinendruck — das Mittelohr hat kurzzeitig leichten Überdruck, der sich meist von selbst ausgleicht. Kritisch wird es beim Landen: Der Kabinendruck steigt wieder an, das Mittelohr gerät unter Unterdruck. Die Ohrtrompete muss nun aktiv öffnen — durch Schlucken, Gähnen oder das Valsalva-Manöver (Mund und Nase zuhalten, sanft ausatmen).
Gelingt das nicht, wird das Trommelfell nach innen gezogen. Das Ergebnis: Druckgefühl, Ohrenschmerzen, gedämpftes Hören. Medizinisch spricht man von einem Ohr-Barotrauma — und die kritischste Phase liegt in den letzten 20 Minuten vor der Landung.
Warum ist eine Erkältung so problematisch?
Eine Erkältung, Allergie oder Sinusitis lässt die Schleimhäute anschwellen — auch im Bereich der Tubenöffnung zum Nasenrachen. Ist dieser Eingang verengt oder blockiert, kann die Ohrtrompete nicht mehr ausreichend öffnen. Der Druckausgleich schlägt fehl, und das Barotrauma entsteht schneller und ausgeprägter als bei Gesunden.
Besonders anfällig sind:
- Personen mit akuter Erkältung, Rhinitis oder Sinusitis
- Allergiker, vor allem wenn der Pollenflug aktuell hoch ist
- Kinder, deren Ohrtrompete noch kürzer und horizontaler verläuft
- Raucher mit chronisch veränderter Schleimhaut
- Patienten mit wiederkehrenden Mittelohrentzündungen oder chronischer Tubendysfunktion
Bei akuter Nasennebenhöhlenentzündung sollten Sie einen Flug wenn möglich verschieben — das Risiko für ein ernsthaftes Barotrauma ist dann besonders hoch.
Warnzeichen: Wann ist ein HNO-Termin nötig?
Leichte Ohrenbeschwerden direkt nach dem Landen, die sich innerhalb weniger Stunden von selbst lösen, sind meistens unkritisch. Ein Termin zur HNO-Untersuchung ist hingegen nötig, wenn:
- Starke Ohrenschmerzen nach dem Flug nicht nachlassen
- Blutiger Ausfluss aus dem Ohr auftritt — ein möglicher Hinweis auf eine Trommelfellperforation
- Hörminderung länger als 48 Stunden anhält
- Schwindel, Übelkeit oder Tinnitus auftreten — das kann auf eine Innenohrbelastung hinweisen und erfordert zeitnahe Abklärung
- Trotz abschwellendem Nasenspray kein Druckausgleich gelingt — auch Tage nach dem Flug
Ohrenschmerzen an Bord, die durch Druckausgleich-Manöver nicht besser werden, können auf ein bereits fortgeschrittenes Barotrauma hinweisen. Auch dann gilt: lieber früh vorstellig werden als zu lange abwarten.
Was hilft zur Vorbeugung?
Eine einfache Maßnahme senkt das Risiko deutlich: Nehmen Sie 30 Minuten vor dem Landen ein abschwellendes Nasenspray (z. B. mit Xylometazolin). Das verringert die Schleimhautschwellung an der Tubenöffnung und erleichtert den Druckausgleich erheblich.
Weitere bewährte Maßnahmen an Bord:
- Regelmäßig schlucken und gähnen, besonders beim Abstieg
- Kaugummi kauen oder langsam Wasser trinken
- Valsalva-Manöver: Mund und Nase zuhalten, sanft ausatmen — nie zu kräftig, da zu starker Druck das Innenohr belasten kann
- Für Kinder: Saugen oder Trinken aus einem Becher während der Landephase
Bei Allergikern kann die Einnahme eines Antihistaminikums vor dem Flug sinnvoll sein. Wenn Sie unsicher sind, welche Maßnahme für Sie die richtige ist, besprechen wir das gerne vor Ihrer Reise.
Was erwartet Sie beim HNO?
In der Praxis untersuchen wir zunächst das Trommelfell mit dem Ohrmikroskop: Ist es gerötet oder eingezogen? Gibt es Hinweise auf Flüssigkeit im Mittelohr? Ergänzend führen wir einen Hörtest durch, um zu beurteilen, ob die Schallleitung beeinträchtigt ist.
Leichte Barotraumata heilen mit abschwellenden Nasensprays und Druckausgleich-Übungen meist innerhalb von ein bis zwei Wochen von selbst ab. Bei einem Mittelohrerguss, der nach drei Wochen nicht verschwunden ist, kann ein kleiner Eingriff (Parazentese mit Paukenröhrchen) sinnvoll sein — er dauert wenige Minuten und bringt sofortige Erleichterung.
Eine Trommelfellperforation klingt bedrohlicher als sie in den meisten Fällen ist: Das Trommelfell schließt sich gewöhnlich innerhalb von vier bis sechs Wochen spontan. Bis dahin gilt: Ohr trocken halten, nicht tauchen, beim Duschen schützen.
Wer regelmäßig beim Fliegen Probleme hat, könnte an einer chronischen Tubendysfunktion leiden. Hier gibt es heute minimalinvasive Möglichkeiten — ein Thema für ein ausführliches Gespräch in der Praxis.
Gut vorbereitet in den Urlaub
Wer vorgesorgt hat, braucht in den meisten Fällen keine ernsthaften Beschwerden zu befürchten. Nasenspray eingepackt, beim Landen regelmäßig schlucken — und bei einer starken Erkältung besser zweimal überlegen, ob die Reise wirklich nicht verschiebbar ist.
Wenn Sie nach einem Flug anhaltende Ohrenschmerzen, Hörprobleme oder Schwindel bemerken, helfen wir Ihnen gerne weiter. Vereinbaren Sie einfach einen HNO-Termin in unserer Praxis in München-Solln.
Bitte beachten Sie, dass Online-Informationen eine individuelle Untersuchung und Beratung durch unsere Fachärztin nicht ersetzen können.

