Fremdkörper im Ohr oder in der Nase: Was Eltern tun sollten — und was sie besser lassen

Kind beim Spielen mit kleinen bunten Spielzeugteilen und Holzperlen auf einem hellen Holzboden — symbolisch für das Neugierverhalten von Kleinkindern
14.07.2026

Fremdkörper im Ohr oder in der Nase bei Kindern gehören in jeder HNO-Praxis zum Alltag — besonders im Sommer, wenn Kinder draußen spielen und mit Naturmaterialien, Sandspielzeug oder kleinen Bausteinen in Kontakt kommen. In den meisten Fällen lässt sich der Fremdkörper schnell und komplikationslos entfernen. Vorausgesetzt, Eltern wissen, was zu tun ist — und was sie auf keinen Fall anfassen sollten.

Warum Kleinkinder so oft betroffen sind

Kinder zwischen zwei und sechs Jahren erkunden die Welt mit allen Sinnen. Was in der Hand liegt, wird irgendwann auch in Mund, Nase oder Ohr gesteckt — das ist entwicklungsbedingt normal. Kleine Perlen, Steinchen, Papierschnipsel, Schaumstoffstücke oder Essensmaterialien wie Bohnen und Erbsen sind typische Kandidaten. Organische Materialien quellen im feuchten Milieu der Nasenöffnung noch auf, was eine spätere Entfernung erschwert.

Im Ohr finden sich häufig kleine Bastelmaterialien, Schaumstoffreste aus Kopfhörern oder Gehörschutzstöpseln — und gelegentlich lebende Insekten, was bei Kleinkindern zu starkem Knistern, Brummen und heftigen Angstreaktionen führt.

Diese Zeichen sprechen für einen Fremdkörper

Manchmal erzählen Kinder es selbst. Oft aber vergessen sie das Ereignis schnell — oder verschweigen es. Typische Hinweise, auf die Eltern achten sollten:

Bei einem Fremdkörper in der Nase:

  • Einseitig verstopfte Nase ohne Erkältungszeichen
  • Einseitiger, übelriechender Nasenausfluss (besonders nach einigen Tagen)
  • Nasenbluten ohne klaren Auslöser
  • Näselnde Sprache oder Mundatmung

Bei einem Fremdkörper im Ohr:

  • Ohrenschmerzen — manchmal aber auch gar keine Schmerzen
  • Einseitiger Hörverlust oder dumpfes Gefühl im Ohr
  • Juckreiz oder Fremdkörpergefühl im Gehörgang
  • Einseitiger Ohrenausfluss bei längerem Verbleib

Die entscheidende Faustregel: Ist ein Symptom einseitig und lässt sich nicht eindeutig erklären, immer an einen Fremdkörper denken — und einen HNO-Termin nicht aufschieben.

Was Eltern bitte nicht tun sollten

Das ist der wichtigste Teil dieses Artikels — und die häufigste Ursache für unnötige Komplikationen:

Keine Pinzetten, Wattestäbchen, Finger oder andere Hilfsmittel verwenden. Der Versuch, einen Fremdkörper selbst zu entfernen, schiebt ihn in den meisten Fällen tiefer in den Gehörgang oder die Nase. Im schlimmsten Fall wird dabei das Trommelfell verletzt — eine Verletzung, die deutlich schwerer zu behandeln ist als der ursprüngliche Fremdkörper.

Nicht wiederholt versuchen. Auch wenn der Gegenstand vorne sichtbar zu sein scheint: Mehrere Versuche erhöhen das Risiko einer Verletzung erheblich.

Ausnahme nur für die Nase: Sitzt der Fremdkörper ganz vorne und das Kind ist ruhig und kooperativ, können Sie einmal versuchen, das gesunde Nasenloch zuzuhalten und das Kind kräftig durch die betroffene Seite ausatmen zu lassen. Klappt das nicht beim ersten Versuch: sofort aufhören und in die HNO-Praxis fahren.

Achtung Notfall: Knopfbatterien

Eine Situation erfordert sofortiges Handeln — ohne Wartezeit, ohne Hausarztpraxis:

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind eine Knopfbatterie in Ohr oder Nase steckt, fahren Sie sofort in die nächste Kinderklinik oder Notaufnahme.

Knopfbatterien erzeugen in feuchten Körperhöhlen eine elektrochemische Reaktion, die innerhalb von Minuten eine alkalische Verätzung auslöst. In der Nase kann das zur Perforation der Nasenscheidewand führen, im Ohr zu Trommelfellschäden. Ernsthafte Gewebeschäden entstehen innerhalb von zwei Stunden — die Zeit ist entscheidend.

Knopfbatterien sind rund, flach und metallisch glänzend — ähnlich wie kleine Münzen, aber ohne Prägung. Im Zweifel sofort handeln. Auch die HNO-Klinik des Universitätsklinikums Regensburg warnt ausdrücklich vor diesem oft unterschätzten Risiko.

Was die HNO-Untersuchung zeigt

Kommen Sie mit Ihrem Kind in die Praxis, ist die Untersuchung kurz und in der Regel schmerzfrei. Mit einem Otoskop lässt sich der Gehörgang direkt einsehen; die Nase wird mit einem Nasenspekulum oder kleinen Nasenendoskop untersucht. Beides dauert bei einem kooperativen Kind meist unter einer Minute.

Wo der Fremdkörper sitzt und aus welchem Material er besteht, bestimmt das Vorgehen bei der Entfernung. Ein kleines Häkchen oder eine Saugkanüle reichen in den meisten Fällen aus. Bei lebenden Insekten im Gehörgang wird das Tier zunächst mit Öl schonend abgetötet und dann entfernt — das klingt drastisch, ist aber der sicherste Weg. Sitzt der Fremdkörper tief oder ist das Kind nicht kooperativ, kann eine kurze Kurznarkose nötig sein.

Eine HNO-Untersuchung bei Kindern ist bei uns auf behutsames Vorgehen ausgelegt — mit ruhigem Umfeld und kurzen Untersuchungszeiten. Für Ohrprobleme bieten wir außerdem Ohrenmedizin & Hörtest an, falls nach der Entfernung eine Gehörkontrolle sinnvoll ist.

Nach der Entfernung: Kurze Nachsorge

Ist der Fremdkörper draußen, sollte das Trommelfell nochmals auf Verletzungen kontrolliert werden. Hat der Gegenstand längere Zeit in Ohr oder Nase gesessen, kann eine Entzündungsreaktion entstehen, die mit einfachen Mitteln gut zu behandeln ist.

Als Vorbeugung gilt die bekannte, aber dennoch wichtige Regel: Spielzeug und Haushaltsgegenstände mit Teilen unter drei Zentimetern immer außer Reichweite kleiner Kinder aufbewahren. Knopfbatterien — in Fernbedienungen, Uhren, Hörgeräten, Lichtern — gehören in verschlossene Schubladen.

Fazit: Schnell handeln, aber richtig

Fremdkörper in Ohr oder Nase sind bei Kleinkindern häufig, in der Regel gut behandelbar — und nur dann ein ernstes Problem, wenn durch Selbstversuche Verletzungen entstehen oder bei Knopfbatterien kostbare Zeit verloren geht. Kein Werkzeug, kein Zuwarten bei Knopfbatterie-Verdacht, und ein ruhiger Gang in die HNO-Praxis: Das sind die drei wichtigsten Punkte.

Termin in unserer HNO-Praxis vereinbaren — wir nehmen uns die Zeit für Ihr Kind.

Bitte beachten Sie, dass Online-Informationen eine individuelle Untersuchung und Beratung durch unsere Fachärztin nicht ersetzen können.

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Prof. Dr. med. Andreas Riederer

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