
Zwischen Blasmusik, Bierzelt-Gesang und Fahrgeschäft-Lärm ist Gehörschutz beim Oktoberfest weit mehr als nur ein Randthema – er ist eine einfache, notwendige Vorsichtsmaßnahme. Er schützt vor einem Hörschaden, der sich im Gegensatz zu vielen anderen Ohrenproblemen nicht wieder rückgängig machen lässt. Wer die Wiesn in vollen Zügen genießen möchte, muss dafür keineswegs auf Ohrstöpsel verzichten; im Gegenteil.
Wie laut ist ein Bierzelt wirklich?
Bereits ab etwa 85 Dezibel steigt das Risiko einer Gehörschädigung signifikant an – dies entspricht der Lautstärke einer Blaskapelle aus nächster Nähe oder eines Presslufthammers. In Festzelten und Diskotheken werden im Durchschnitt Werte zwischen 92 und 111 Dezibel gemessen, wobei durch laute Musikpassagen und Jubel-Spitzen oft noch höhere Pegel erreicht werden. Dabei spielen sowohl die Dauer als auch die Lautstärke zusammen: Eine zweistündige Belastung bei 93 Dezibel ist bereits so gehörgefährdend wie vier Stunden bei 90 Dezibel. Ein ganzer Wiesn-Abend im Bierzelt akkumuliert somit schnell eine relevante Lärmdosis – selbst wenn kein einzelner Moment besonders extrem laut war.
Zwei Formen der Gehörschädigung
Ein akutes Lärm- oder Knalltrauma entsteht durch kurze, extreme Schalldruckspitzen – beispielsweise von einem Böller oder Schreckschuss direkt am Ohr. Dies kann sofort stechende Ohrenschmerzen, ein dumpfes Hörgefühl und Tinnitus auslösen.
Die chronische Lärmschwerhörigkeit entwickelt sich hingegen schleichend durch wiederholte Lärmbelastung. Die feinen Sinneszellen im Innenohr werden zunächst nur vorübergehend überlastet – das erklärt, warum die Ohren nach einem lauten Abend oft noch stunden- oder tageweise „dumpf" wirken oder leicht klingeln. Sollte sich das Gehör in den Pausen nicht ausreichend erholen können, kann daraus über Jahre hinweg eine bleibende, nicht mehr heilbare Schwerhörigkeit entstehen. Nach Beendigung der Lärmbelastung schreitet dieser Anteil zwar nicht weiter fort, ein einmal entstandener Schaden bleibt jedoch bestehen.
Wann ist es harmlos – und wann nicht?
Ein leichtes Klingeln oder gedämpftes Hören direkt nach einem lauten Abend ist häufig und klingt meist innerhalb weniger Stunden bis eines Tages von selbst wieder ab. Dennoch sollten Sie bestimmte Anzeichen ernst nehmen und zeitnah einen Termin zur Ohrenuntersuchung & Hörtest vereinbaren:
- Tinnitus, der länger als ein bis zwei Tage anhält
- Eine anhaltende Hörminderung nach dem Wiesn-Besuch
- Ohrenschmerzen mit Blutung oder Ausfluss aus dem Gehörgang, etwa nach einem lauten Knall
- Schwindel in Verbindung mit einer Hörminderung
Diese Kombination von Symptomen kann auf eine ernstere Schädigung hindeuten, die unbedingt fachärztlich abgeklärt werden muss.
Auch Kinder brauchen Gehörschutz
Kinderpistolen und Knallkörper, wie sie gelegentlich auf dem Rummelplatz zu finden sind, erreichen aus geringem Abstand Schalldrücke von 163 bis 173 Dezibel – ein Wert deutlich über der Schmerzschwelle. Kinderohren reagieren empfindlicher auf Lärm als die von Erwachsenen; selbst ein Fahrgeschäft mit lauter Musik direkt neben dem Kinderwagen summiert sich über einen ganzen Nachmittag hinweg. Für die Kleinsten empfehlen wir speziell angepasste Gehörschutz-Kapseln; bei Auffälligkeiten in der kindlichen Hörentwicklung berät Sie unsere Kinder-HNO.
Der richtige Gehörschutz – kein Spielverderber
Guter Gehörschutz muss die Blasmusik nicht stumm schalten. Elastische Kunststoffstöpsel dämpfen hohe, besonders schädliche Frequenzen stärker als tiefe Töne. Dadurch bleiben Gespräche und Musik noch gut wahrnehmbar, während der schädliche Pegel reduziert wird. Spezielle Musiker-Gehörschutzstöpsel mit linearer Dämpfung eignen sich besonders gut, wenn ein möglichst voller Klangeindruck erhalten bleiben soll. Wichtig ist: Der Gehörschutz, der am besten sitzt und tatsächlich getragen wird, schützt in der Praxis mehr als die theoretisch wirksamste, aber als unangenehm empfundene und deshalb abgelegte Variante. Zusätzlich helfen einfache Maßnahmen: regelmäßige Pausen im Freien einlegen, Abstand zu Lautsprechern und Musikkapellen halten sowie bewusst leisere Bereiche des Festgeländes aufsuchen.
Was Sie in der HNO-Praxis erwartet
Bei anhaltenden Beschwerden beginnt die Untersuchung mit einer Otoskopie, um das Trommelfell visuell zu beurteilen und eine Verletzung auszuschließen. Eine Tonaudiometrie ermittelt, ob und in welchem Frequenzbereich das Gehör beeinträchtigt ist – bei lärmbedingten Schäden zeigt sich hier häufig zunächst eine isolierte Absenkung im hohen Tonbereich. Bei einem Verdacht auf eine Beteiligung des Mittelohrs, beispielsweise nach einem Knalltrauma, ergänzt eine Tympanometrie die Diagnostik. So lässt sich rasch einordnen, ob lediglich eine vorübergehende Reizung oder bereits eine behandlungsbedürftige Schädigung vorliegt.
Fazit
Ein Abend im Bierzelt muss dem Gehör nicht schaden – mit gut sitzendem Gehörschutz, bewussten Pausen und etwas Abstand zur Musik lässt sich das Risiko deutlich senken, ohne dass die Wiesn-Stimmung darunter leidet. Hält ein Klingeln im Ohr oder eine Hörminderung länger als ein bis zwei Tage an, sollte dies fachärztlich abgeklärt werden.
Termin in unserer Praxis vereinbaren – wir nehmen uns Zeit für eine gründliche Untersuchung Ihres Gehörs.
Bitte beachten Sie, dass Online-Informationen eine individuelle Untersuchung und Beratung durch unsere Fachärzte nicht ersetzen können.


