
Hörverlust im Alter beginnt meist so leise, dass Betroffene ihn selbst lange nicht bemerken. Oft fällt er zuerst den Angehörigen auf: beim Familienbesuch, am Kaffeetisch oder beim gemeinsamen Fernsehen. Der Fernseher läuft lauter als früher, Rückfragen häufen sich, Gespräche in größerer Runde werden anstrengend. Wenn rund um Allerheiligen viele Familien zusammenkommen, ist das ein guter Anlass, darauf zu achten.
Hörverlust im Alter: häufig und meist schleichend
Mit den Jahren lässt das Gehör bei vielen Menschen nach. Etwa jeder Dritte über 65 Jahren ist schwerhörig. In einer Befragung des Robert Koch-Instituts gab ab 80 Jahren jede zweite Person an, Schwierigkeiten beim Hören zu haben.
Die häufigste Ursache ist die Altersschwerhörigkeit, in der Fachsprache Presbyakusis. Dabei nutzt sich das Innenohr über Jahre allmählich ab. Weil das so langsam geschieht, wird die Veränderung oft erst spät wahrgenommen.
Fachleute unterscheiden mehrere Schweregrade. Gemessen wird, wie laut ein Ton sein muss, damit er gerade noch gehört wird. Diese Hörschwelle wird in Dezibel (dB) angegeben:
- Leicht (26–40 dB): Flüstern wird nicht mehr verstanden.
- Mäßig (41–60 dB): Normale Gespräche werden schwierig.
- Stark (61–80 dB): Nur noch laute Sprache wird verstanden.
- Sehr stark (über 80 dB): Sprache wird kaum noch verstanden.
Wo jemand steht, lässt sich nicht schätzen. Das zeigt erst ein Hörtest.
Warum es sich lohnt, früh hinzuhören
Schlechteres Hören ist mehr als eine Unannehmlichkeit. Viele Betroffene fühlen sich eingeschränkt und nehmen weniger am sozialen Leben teil. Schwerhörigkeit kann zudem das Risiko für Depressionen sowie für Unfälle und Stürze erhöhen.
Einige Studien deuten außerdem darauf hin, dass sich die geistige Leistungsfähigkeit bei Schwerhörigkeit langfristig verschlechtern kann. Wie groß der Anteil des Hörens daran ist, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Gleichzeitig nutzen vergleichsweise wenige Menschen ein Hörgerät. In der Befragung des Robert Koch-Instituts trugen 5,4 Prozent der Erwachsenen eines, die Autoren sehen Hinweise auf eine Unterversorgung. Dabei verbessern Hörgeräte das Sprachverstehen und damit die Lebensqualität.
Nicht jede Schwerhörigkeit ist altersbedingt
Ein früher Termin bedeutet nicht automatisch ein Hörgerät. Hinter nachlassendem Hören können auch Ursachen stecken, die sich gezielt behandeln lassen:
- Ohrenschmalzpfropfen: Nach der Entfernung hören viele sofort besser.
- Mittelohrentzündung oder Paukenerguss: Entzündung oder Flüssigkeit im Mittelohr lassen sich behandeln.
- Otosklerose: Eine Versteifung der Gehörknöchelchen kann operativ behandelt werden.
Deshalb steht am Anfang immer die Frage nach der Ursache, nicht das Gerät.
Warnzeichen: Wann Sie zeitnah zum HNO-Arzt sollten
Bei folgenden Anzeichen sollten Sie nicht abwarten:
- Sie hören nur auf einem Ohr schlechter.
- Das Hören hat sich plötzlich verschlechtert.
- Zusätzlich treten Ohrgeräusche, Schwindel oder ein Taubheitsgefühl im Gesicht auf.
- Die Hörminderung begann nach einem Infekt, einem Unfall oder mit einem neuen Medikament.
- Das Ohr schmerzt oder es tritt Flüssigkeit aus.
Wichtig: Ein plötzlicher Hörverlust auf einem Ohr kann ein Hörsturz sein. Das ist ein medizinischer Eilfall, der innerhalb kurzer Zeit abgeklärt werden sollte. Vereinbaren Sie in diesem Fall umgehend einen Termin.
So läuft der Hörtest in unserer Praxis ab
Zu Beginn der HNO-Untersuchung betrachten wir Gehörgang und Trommelfell mit der Ohrspiegelung (Otoskopie). So lassen sich Pfropfen, Entzündungen oder Veränderungen am Trommelfell erkennen. Danach folgt die eigentliche Hördiagnostik:
- Tonaudiometrie: Über Kopfhörer hören Sie Töne in verschiedenen Höhen und Lautstärken. So wird Ihre Hörschwelle bestimmt.
- Sprachaudiometrie: Sie zeigt, wie gut Sie Wörter verstehen.
- Tympanometrie: Sie misst die Beweglichkeit des Trommelfells und gibt Hinweise auf die Funktion des Mittelohrs.
Die Untersuchungen sind schmerzfrei und dauern meist nur wenige Minuten. Im Anschluss besprechen wir das Ergebnis in Ruhe mit Ihnen.
Ist ein Hörgerät sinnvoll, stellen wir die Verordnung auf Grundlage des Hörtests aus. Bei ärztlicher Verordnung und nachgewiesener Schwerhörigkeit übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen einen Grundbeitrag. Die individuelle Anpassung übernimmt anschließend ein Hörgeräteakustiker. Reicht ein Hörgerät bei sehr starker Schwerhörigkeit nicht mehr aus, kann in spezialisierten Kliniken ein Cochlea-Implantat infrage kommen.
Für Angehörige: behutsam ansprechen
Viele Menschen nehmen ihr schlechteres Hören selbst kaum wahr oder sprechen ungern darüber. Wenn Ihnen bei Eltern oder Großeltern etwas auffällt, sprechen Sie es in Ruhe und ohne Vorwurf an. Konkrete Situationen helfen, etwa das Telefonat, bei dem vieles doppelt gesagt werden musste. Oft erleichtert es den ersten Schritt, wenn Sie anbieten, zum Termin mitzukommen.
Fazit
Hörverlust im Alter ist häufig und entwickelt sich meist unbemerkt. Ein früher Hörtest schafft Klarheit: Er zeigt, wie ausgeprägt die Schwerhörigkeit ist und ob eine behandelbare Ursache dahintersteckt. Wenn Sie selbst oder Ihre Angehörigen schlechter hören, beraten wir Sie gern in unserer Praxis in München-Solln.
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Bitte beachten Sie, dass Online-Informationen eine individuelle Untersuchung und Beratung durch unsere Fachärzte nicht ersetzen können.

