
Eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) gegen Birke-, Hasel- und Erlenpollen sollte nicht erst dann beginnen, wenn im Februar die ersten Haselsträucher blühen und im März die Erlen folgen – dann ist es für viele Allergiker bereits zu spät, um rechtzeitig geschützt zu sein. Bis dahin kennen Betroffene das immer gleiche Muster: laufende Nase, juckende Augen, Niesattacken, oft schon Wochen vor dem eigentlichen Frühlingsanfang. Viele berichten sogar von Beschwerden bereits im Januar, sobald ein milder Winter die Hasel früh blühen lässt. Der richtige Zeitpunkt, um mit der Behandlung zu beginnen, ist jetzt – im Spätsommer.
Warum der Sommer der ideale Startzeitpunkt ist
Eine Hyposensibilisierung wirkt nicht sofort. In der sogenannten Aufdosierungsphase wird die Allergendosis schrittweise gesteigert, bis die Erhaltungsdosis erreicht ist. Je nach Präparat liegen die Injektionsabstände dabei meist bei einer Woche, bis die volle Dosis erreicht ist – insgesamt dauert diese Phase mehrere Wochen bis wenige Monate. Fachgesellschaften empfehlen, sie außerhalb der Pollensaison abzuschließen: Nur so ist der Schutz bereits aufgebaut, wenn die Hasel- und Erlenpollen im Februar und März wieder fliegen, gefolgt von der Birke. Wird die Therapie erst gestartet, wenn die Nase schon läuft, bleibt keine Zeit mehr, damit sich die Toleranz des Immunsystems entwickeln kann.
Hinzu kommt ein Effekt, den viele Patienten unterschätzen: Die Pollensaison beginnt durch den Klimawandel zunehmend früher und dauert länger. Wer erst im Januar über eine Therapie nachdenkt, hat das Zeitfenster oft schon verpasst. Der Spätsommer und Herbst bieten dagegen ausreichend Vorlauf, um die Aufbauphase in Ruhe abzuschließen.
Diagnostik: Der erste Schritt vor jeder Therapie
Ob eine Hyposensibilisierung für Sie infrage kommt, klärt eine Allergie-Diagnostik. Erst ein allergologischer Test zeigt zuverlässig, gegen welche Allergene Sie tatsächlich sensibilisiert sind und ob eine Immuntherapie sinnvoll ist. Diese Testung ist die Voraussetzung für jede weitere Behandlungsentscheidung.
Ein überraschendes Detail: Warum meist mit Birkenpollen behandelt wird
Hasel, Erle und Birke gehören botanisch eng zusammen und ihre Pollen ähneln sich aus Sicht des Immunsystems stark – Mediziner sprechen von Kreuzreaktivität. Deshalb wird die Hyposensibilisierung bei einer Hasel-/Erlenallergie in der Praxis meist mit einem Birkenpollen-Extrakt durchgeführt: Für Birkenpräparate liegt die umfangreichste Studienlage vor, und ihre Wirkung erstreckt sich nachweislich auch auf die Beschwerden in der Hasel- und Erlensaison. Wer also gegen Frühblüher behandelt wird, erhält in der Regel keine reine Hasel- oder Erlen-Immuntherapie, sondern profitiert vom besser abgesicherten Birkenpollen-Extrakt.
Die Behandlung selbst erfolgt entweder als Spritze (SCIT) in der Praxis oder als Tropfen bzw. Tablette zum Einnehmen zu Hause (SLIT) – welche Form für Sie besser passt, besprechen wir gemeinsam nach der Diagnostik.
Wie viel Zeit sollten Sie einplanen?
Zwischen allergologischer Testung und abgeschlossener Aufdosierungsphase vergehen je nach gewähltem Präparat und Verabreichungsform einige Wochen bis wenige Monate. Wer jetzt im Spätsommer mit der Diagnostik beginnt, hat damit ausreichend Puffer, um noch vor dem nächsten Pollenflug im Februar in der Erhaltungsphase anzukommen – dem Stadium, in dem der volle Schutz besteht. Je länger mit dem Start gewartet wird, desto knapper wird dieses Zeitfenster, und im ungünstigsten Fall verschiebt sich der Therapiebeginn auf das nächste Jahr.
Fazit
Wer im kommenden Frühjahr nicht wieder mit laufender Nase und tränenden Augen durch die Hasel- und Erlensaison gehen möchte, sollte den Start einer Hyposensibilisierung jetzt in Angriff nehmen – nicht erst, wenn die Pollen bereits fliegen. Der Spätsommer bietet den nötigen zeitlichen Vorlauf, damit der Schutz zum Saisonstart steht. Vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer Praxis – wir klären in einer allergologischen Testung, ob und welche Form der Immuntherapie für Sie geeignet ist.
Bitte beachten Sie, dass Online-Informationen eine individuelle Untersuchung und Beratung durch unseren Facharzt nicht ersetzen können.


