

Die Nase läuft, die Augen tränen, der Kopf fühlt sich schwer an — in der Pollensaison kennen viele Allergiker dieses Bild. Was viele nicht wissen: Wenn sich das Druckgefühl im Gesicht hartnäckig hält und die verstopfte Nase einfach nicht besser wird, können die Nasennebenhöhlen beteiligt sein. Rund ein Viertel aller Menschen mit Heuschnupfen entwickelt in der Hochphase eine begleitende Nasennebenhöhlenentzündung — eine Rhinosinusitis. Das ist mehr als lästig, lässt sich aber gezielt behandeln.
Warum Pollen die Nasennebenhöhlen treffen
Nase und Nasennebenhöhlen sind aus einem Stück. Beide sind von derselben Schleimhaut ausgekleidet und über enge Öffnungen im mittleren Nasengang miteinander verbunden. Wenn Pollen die allergische Entzündung auslösen, schwillt diese Schleimhaut an — und diese Schwellung setzt sich nahtlos in die Kieferhöhlen, Stirnhöhlen und Siebbeinzellen fort.
Die engen Verbindungsöffnungen werden bei Schleimhautschwellung zum Problem: Sie verstopfen, der Sekretabfluss stockt. Schleim staut sich in den Nebenhöhlen, Bakterien und Viren können sich leichter ansiedeln, und die Entzündung hält länger an als ein gewöhnlicher Schnupfen. Das ist der Mechanismus hinter der allergischen Rhinosinusitis — und er erklärt, warum Betroffene in der Bäume- und Gräserpollenhochphase nicht nur niesen, sondern sich auch über Wochen müde fühlen.
Typische Beschwerden: mehr als verstopfte Nase
Eine allergische Rhinosinusitis äußert sich mit einem charakteristischen Symptombild:
- Verstopfte Nase auf beiden Seiten
- Druckgefühl oder Schmerzen über den Wangen und der Stirn
- Zäher Schleim, der in den Rachen abläuft und Räusperzwang verursacht
- Eingeschränkter Geruchssinn — von leicht abgeschwächt bis kaum noch vorhanden
- Gelegentlich Kopfschmerzen, Tagesmüdigkeit und Konzentrationsprobleme
Der klare Zusammenhang mit dem Pollenflug ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal: Wenn die Beschwerden in den Hochphasen der Pollensaison auftreten und bei Regen oder nach Pollenkarenz besser werden, ist eine allergische Ursache sehr wahrscheinlich.
Diagnostik: Was steckt wirklich dahinter?
Eine genaue Diagnose ist die Voraussetzung für eine wirksame Behandlung. Der erste Schritt ist die klinische Untersuchung — eine Nasenspiegelung (Rhinoskopie) zeigt in wenigen Minuten, wie stark die Schleimhaut geschwollen ist, ob Sekret sichtbar ist und ob sich bereits Polypen gebildet haben.
Wenn die Nasennebenhöhlen selbst genauer beurteilt werden sollen, setzen wir den Ultraschall ein. Dieses Verfahren überrascht viele Patientinnen und Patienten: Eine Sonographie der Kieferhöhlen und Stirnhöhlen liefert zuverlässige Informationen über Schleimhautverdickungen, Sekretansammlungen und Zysten — ohne jede Strahlenbelastung, in wenigen Minuten, ohne Vorbereitung. Das Verfahren ist auch bei Schwangeren und Kindern bedenkenlos einsetzbar und eignet sich ideal für Verlaufskontrollen. Ein Computertomographie (CT) bleibt gezielten Ausnahmen vorbehalten — etwa wenn eine Operation geplant wird.
Ergänzend prüfen wir, ob eine Allergie die Ursache ist. Über unsere Allergie-Diagnostik lässt sich mit einem Prick-Test oder einer Blutuntersuchung genau bestimmen, auf welche Pollen der Körper reagiert. Erst wenn der Auslöser bekannt ist, lässt sich die Therapie wirklich zielgerichtet gestalten.
Therapie: Von der Kochsalzspülung bis zur Ursachenbehandlung
Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Ursache — es gibt keinen Einheitsweg.
Sofortmaßnahmen in der akuten Phase:
Intranasale Kortikosteroide sind das wirksamste Mittel gegen die allergische Entzündung: Sie reduzieren die Schleimhautschwellung zuverlässig und verbessern den Sekretabfluss. Antihistaminika helfen vor allem gegen Juckreiz und Niesen, haben auf die Nebenhöhlen einen etwas schwächeren direkten Effekt. Abschwellende Nasensprays sind kurzfristig hilfreich, sollten aber auf maximal fünf bis sieben Tage begrenzt bleiben — bei längerem Gebrauch droht ein Gewöhnungseffekt. Nach der akuten Entzündung befeuchten isotone Kochsalzspülungen die Schleimhaut und helfen dem Sekret, abzufließen — einfach, wirkungsvoll und ohne Nebenwirkungen.
Kausale Behandlung: Die Hyposensibilisierung
Wer langfristig beschwerdefrei werden möchte, kommt an der spezifischen Immuntherapie (SIT) nicht vorbei. Sie ist die einzige Behandlung, die an der Ursache ansetzt: Das Immunsystem wird schrittweise an die auslösenden Pollen gewöhnt, bis es nicht mehr überreagiert. Eine erfolgreich abgeschlossene Hyposensibilisierung reduziert nicht nur den Heuschnupfen — sie schützt nachweislich davor, dass sich aus der wiederkehrenden Rhinosinusitis eine chronische Erkrankung oder ein allergisches Asthma entwickelt. Mehr dazu auf unserer Seite zur Nasenheilkunde & Ultraschall.
Wann sofort zum Arzt?
Die überwiegende Mehrheit der allergischen Rhinosinusitiden ist gut behandelbar. Einige Zeichen erfordern allerdings sofortige Abklärung: ein geschwollenes Augenlid, Doppelbilder oder Sehverschlechterung, hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen oder Beschwerden, die ausschließlich auf einer Seite auftreten. Diese Befunde können auf seltene Komplikationen hinweisen, die ohne Behandlung gefährlich werden.
Fazit
Eine verstopfte Nase in der Pollensaison ist nicht immer nur Heuschnupfen. Wenn das Druckgefühl im Gesicht hartnäckig bleibt, der Geruchssinn schwindet und die Beschwerden nach mehr als zehn Tagen nicht besser werden, sollten die Nasennebenhöhlen in den Blick genommen werden. Die Diagnostik ist unkompliziert — und die Therapie, richtig angesetzt, wirksam. Wer zudem die Ursache angehen möchte, hat mit der Hyposensibilisierung eine bewährte Option.
Wenn Ihre Beschwerden in dieser Saison anhalten oder immer wiederkehren: Termin in unserer Praxis vereinbaren
Bitte beachten Sie, dass Online-Informationen eine individuelle Untersuchung und Beratung durch unsere Fachärzte nicht ersetzen können.

