
Gerötete Augen, ständiger Niesreiz, eine verstopfte Nase: Für Gräserpollen-Allergiker ist das im Frühsommer Alltag. Süßgräser blühen in Deutschland etwa von April bis in den September, am stärksten meist im Juni und Juli. Eine Hyposensibilisierung gegen Gräserpollen ist die einzige Behandlung, die an der Ursache dieser Allergie ansetzt. Dabei kommt es auf den richtigen Startzeitpunkt an. Er liegt, anders als man vermuten könnte, im Herbst.
Wie die Behandlung wirkt
Bei der Hyposensibilisierung wird der Körper schrittweise an das Allergen gewöhnt, bis das Immunsystem nicht mehr überschießend darauf reagiert. Je nach individueller Situation kann eine Therapie mit Spritzen unter die Haut (SCIT) oder mit Tropfen bzw. Tabletten unter die Zunge (SLIT) infrage kommen. Bei beiden Verfahren wird die Dosis schrittweise gesteigert, bis die Erhaltungsdosis erreicht ist. Danach wird die Behandlung über mindestens drei Jahre fortgeführt. Als Richtwert gelten drei bis fünf Jahre.
Tropfen oder Tabletten (SLIT) werden täglich eingenommen: je nach Präparat jedes Jahr über mehrere Monate vor und während der Pollensaison oder ganzjährig. Ist die Erhaltungsdosis erreicht, kann die Behandlung auch während der Pollensaison weiterlaufen, sofern zum jeweiligen Anwendungszeitpunkt keine akuten Allergiesymptome bestehen.
Warum der Herbst der richtige Zeitpunkt ist
Fachgesellschaften empfehlen, die Dosissteigerung (Aufdosierung) der spezifischen Immuntherapie bis zur Erhaltungsdosis außerhalb der eigentlichen Allergiesaison abzuschließen. Dadurch kann der Körper in Ruhe Toleranz aufbauen. Mögliche Nebenwirkungen der Therapie vermischen sich nicht mit echten Allergiesymptomen und lassen sich so besser einordnen.
Im Herbst ist die Gräsersaison vorbei: Sie klingt spätestens im September aus. In dieser Zeit sind die meisten Betroffenen ohnehin symptomfrei, was die Entscheidung für oder gegen die Therapie erleichtert. Bis zur nächsten Hochsaison im Juni und Juli bleiben dann rund acht Monate. Das ist deutlich mehr Vorlauf als etwa bei einer Hyposensibilisierung gegen Frühblüher wie Hasel oder Birke. Eine Merkhilfe für Münchner: Die Wochen nach der Wiesn sind ein guter Startpunkt. Je später der Start, desto knapper wird die Zeit, um die Erhaltungsdosis rechtzeitig vor der nächsten Saison zu erreichen.
Der Ablauf in unserer Praxis
Am Anfang steht eine ausführliche Allergie-Diagnostik, um die Gräserpollen-Allergie sicher zu bestätigen und andere Ursachen auszuschließen. Diese Diagnostik ist auch Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse. Im persönlichen Gespräch besprechen wir anschließend, ob eine SCIT oder SLIT für Sie geeignet ist. Das hängt unter anderem von Ihrer Alltagsroutine, möglichen Begleiterkrankungen wie Asthma und Ihren Vorlieben ab.
Was Sie während der Aufdosierung erwarten können
Die Aufdosierung dauert mehrere Wochen bis Monate. Je nach Verfahren gibt es neben dem üblichen Schema auch schnellere Varianten (Cluster- oder Rush-Schema). Leichte lokale Reaktionen wie Juckreiz im Mund bei der SLIT oder eine Rötung an der Einstichstelle bei der SCIT sind möglich. Wir begleiten Sie in dieser Phase engmaschig.
Für wen die Behandlung infrage kommt
Die Hyposensibilisierung ist vor allem für Patientinnen und Patienten interessant, die ihre Gräserpollen-Allergie bisher nur mit Antihistaminika oder Nasenspray behandelt haben. Eine spürbare Besserung von Niesreiz, verstopfter Nase und tränenden Augen ist teils bereits im ersten Behandlungsjahr möglich.
Fazit
Eine Sommerallergie im Herbst anzugehen, klingt ungewohnt, schafft aber den nötigen Vorlauf. Wer jetzt beginnt, kann der nächsten Gräserpollensaison gelassener begegnen.
Ob eine Hyposensibilisierung gegen Gräserpollen für Sie sinnvoll ist, klären wir gerne im persönlichen Gespräch. Termin in unserer Praxis vereinbaren
Bitte beachten Sie, dass Online-Informationen eine individuelle Untersuchung und Beratung durch unsere Fachärzte nicht ersetzen können.

