Die Nasenklimaanlage: Warum der Sommer ideal für eine Nasen-OP ist

Person atmet entspannt Sommerluft im Freien
21.07.2026

Patienten mit einer verkrümmten Nasenscheidewand oder wiederkehrenden Nasennebenhöhlenproblemen fragen mich oft, wann der richtige Zeitpunkt für eine Nasenscheidewand-OP oder eine Nasennebenhöhlen-Operation ist. Die meisten denken dabei zuerst an den Eingriff selbst – kaum jemand an die Jahreszeit. Dabei lohnt sich genau dieser Blick: Aus physiologischer Sicht spricht einiges dafür, dass der Sommer der Nasenschleimhaut die Heilung nach einer solchen Operation erleichtert.

Die Nase als körpereigene Klimaanlage

Die Nase dient zur Wahrnehmung von Gerüchen, ist aber auch eine hoch effiziente körpereigene Klimaanlage. Täglich strömen rund 10.000 bis 20.000 Liter Luft durch dieses vergleichsweise kleine Organ. Jeder einzelne Liter wird dabei erwärmt, angefeuchtet und von Partikeln gereinigt, bevor er die empfindlicheren tieferen Atemwege erreicht. Mediziner nennen diese Leistung Atemluftkonditionierung. Selbst bei zweistelligen Minusgraden schafft es die Nasenschleimhaut, die Luft auf dem kurzen Weg in den Nasenrachenraum auf über 30 Grad zu erwärmen.

Diese Arbeit verrichtet die Schleimhaut ununterbrochen – im Winter allerdings unter deutlich schwierigeren Bedingungen. Kalte, trockene Außenluft und trockene Heizungsluft in Innenräumen fordern die Klimatisierungsfunktion stärker, während die Schleimhaut selbst durch die Trockenheit anfälliger wird. Das Robert Koch-Institut nennt genau diese trockeneren, anfälligeren Schleimhäute als einen der Gründe, warum sich Atemwegsinfekte im Winter leichter verbreiten. Im Sommer entfällt diese doppelte Belastung: Die Umgebungsluft ist von Natur aus wärmer und feuchter, Erkältungswellen sind seltener.

Nasenscheidewand-OP und Nasennebenhöhlen-OP: Warum die Wundheilung im Sommer leichter fällt

Bei einer Septumdeviation – einer Verkrümmung der Nasenscheidewand – kann die engere Nasenseite ihre Klimatisierungsfunktion nicht mehr voll erfüllen. Genau hier setzt die Septumplastik an, die operative Begradigung der Nasenscheidewand. Sie verbessert nicht nur die Nasenatmung, sondern auch die Klimatisierungsleistung der Nase insgesamt. Ähnliches gilt für die FESS (funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlen-Operation), mit der verlegte Abflusswege der Nebenhöhlen wieder eröffnet werden.

Nach beiden Eingriffen braucht die Schleimhaut mehrere Wochen, um vollständig abzuheilen. Üblich sind 3 bis 4 Wochen Schleimhautpflege nach der Septumplastik, bei der Nasennebenhöhlen-OP oft 2 bis 3 Wochen, bis die Nase wieder normal durchatmet. In dieser Zeit reagiert die frisch operierte Schleimhaut empfindlicher auf Austrocknung und Reizung als gewöhnlich. Fällt in diese Phase die zusätzliche Belastung durch trockene Heizungsluft oder eine erhöhte Erkältungsgefahr weg, kommt das der Heilung entgegen. Eine feste Leitlinien-Empfehlung zur Jahreszeit gibt es dafür nicht – aber die physiologischen Zusammenhänge sprechen für sich.

Ein Punkt ist mir dabei wichtig: Der Sommer ist nicht pollenfrei. Gräser- und Kräuterpollen fliegen bis in den Spätsommer hinein. Wenn Sie zu den Allergikern gehören, sollten Sie den OP-Termin mit mir gemeinsam auf Ihre persönliche Pollensaison abstimmen. Ein Nebeneffekt: die Nasenoperation wirkt sich auch positiv auf die nasalen Allergiesymptome aus.

Moderne Verfahren: sicherer und schonender als früher

Nasennebenhöhlen wurden früher ohne optische Hilfsmittel und zumeist großzügig d.h. radikal über das Naseninnere und von außen operiert. Heute arbeite ich stattdessen mit unterschiedlich abgewinkelten, hochauflösenden Endoskopen und navigationsgestützter Instrumentenführung basierend auf vorherigen Computertomographie-Aufnahmen, sowie bei Bedarf mit schneidenden Saugern. Das erlaubt eine millimetergenaue Orientierung im Operationsgebiet und macht den Eingriff für Sie insgesamt sicherer und angenehmer. Auch deshalb wird heute zumeist auf Nasentamponaden verzichtet.

Nach der Operation sollten Sie sich an einige Verhaltensregeln halten: nicht Schnäuzen, regelmäßige Nasenspülungen, kein Kontakt- und Ballsport in den ersten Wochen. Suchen Sie umgehend ärztlichen Rat, wenn eine Nasenblutung nicht zum Stillstand kommt, hohes Fieber mit starken Kopfschmerzen auftritt oder Sie eine Lidschwellung mit Sehstörungen bemerken. Das sind Warnzeichen, die abgeklärt werden müssen.

Fazit

Ob eine Nasenscheidewand- oder Nasennebenhöhlen-Operation für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihrem individuellen Befund ab – nicht primär von der Jahreszeit. Wer sich aber ohnehin für einen Eingriff entschieden hat und noch einen Zeitpunkt sucht, für den lohnt sich der Blick auf den Sommer. Aus physiologischer Sicht kann er ein angenehmerer Rahmen für die Heilung sein. Die Grundlage jeder Entscheidung bleibt eine gründliche HNO-Untersuchung mit Endoskopie, in der wir gemeinsam besprechen, was für Ihre Nase der richtige Weg ist.

Wenn Sie über einen solchen Eingriff nachdenken, vereinbaren Sie gerne einen Termin in unserer Praxis. Ich berate Sie dort individuell, welche Lösung und welcher Zeitpunkt zu Ihnen passen.


Bitte beachten Sie, dass Online-Informationen eine individuelle Untersuchung und Beratung durch unsere Fachärzte nicht ersetzen können.

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Dr. med. Martina Thaller
Prof. Dr. med. Andreas Riederer

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